Interview mit Ministerpräsident Dr. Reiner Haseloff

Wie sieht Ihr persönlicher Werdegang aus? Was ist Ihr derzeitiges Arbeitsgebiet?

Ich bin seit 2011 Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt. Bis 1990 war ich wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Umweltschutz in Wittenberg. Nach der friedlichen Revolution wurde ich stellvertretender Landrat des Landkreises Wittenberg, ab 2002 leitete ich das Arbeitsamt in der Lutherstadt. Danach wurde ich Staatssekretär im Wirtschaftsministerium und 2006 Wirtschaftsminister. Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik ist ein zentraler Gegenstand meines politischen Engagements, aber als Ministerpräsident muss ich alle Politikfelder verantwortlich gestalten, um für die Bürgerinnen und Bürger das Bestmögliche zu erreichen.

Gibt es ein Projekt, das Sie mitgestaltet oder betreut haben, welches im Themengebiet des Netzwerkes angesiedelt ist und Ihnen besonders am Herzen liegt?

Als Schirmherr des Netzwerkes für Demokratie und Toleranz unterstütze ich Aktionen und Projekte, die unsere demokratische Kultur stärken. Dazu gehört auch ein freundlicher und friedlicher Umgang mit Menschen, die aus anderen Ländern zu uns kommen, wie z. B. Flüchtlinge. Aufgrund der vielen Krisenherde weltweit kommen derzeit viele Flüchtlinge aus Kriegssituationen und Diktaturen nach Europa. Wir haben die Pflicht und die Möglichkeit, sie bei uns willkommen zu heißen. Als Schirmherr des Netzwerks unterstütze ich ausdrücklich das Engagement der Willkommensinitiativen.
Zudem bin ich Pate des Gymnasiums Jessen, welches im Januar 2014 den Titel „Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage“ verliehen bekommen hat. Dieses Schulnetzwerk ist ein wichtiger Baustein für ein weltoffenes Sachsen-Anhalt und durch die Begleitung von konkreten Projekte vor Ort, wird die vielfältige ehrenamtliche Arbeit erst wirklich erlebbar. Das Engagement der vielen Schülerinnen und Schüler beeindruckt mich immer wieder sehr!

Wie sollten Jugendliche mit Gegenwind und Rückschlägen bei der Umsetzung von Projekten umgehen? Wie reagieren Sie in solchen Situationen?

Rückschläge gehören dazu, gerade auch dann, wenn man sich ehrenamtlich engagiert. Aber oft lernt man aus den kleinen Niederlagen mehr als aus reibungslosen Projekten. Also nie den Kopf hängen lassen, die Situation analysieren, neue Schlussfolgerungen ziehen und weitermachen – dann kommt auch der Erfolg!

Verbinden Sie mit Ihrer Schirmherrschaft eine gesellschaftliche Vision?

Mit der Schirmherrschaft des Netzwerkes verbinde ich die Vision einer Gesellschaft, die ihr vielfältiges Potential nutzt, in der wir alle unsere Demokratie als Quelle neuer Möglichkeiten verstehen und mit Engagement für immer bessere Lösungen eintreten.

Was würden Sie den Jugendlichen und Interessierten vermitteln, warum ehrenamtliche Arbeit so wichtig ist und können sich die Jugendlichen an Sie wenden, für Hilfe bei der Umsetzung von zivilgesellschaftlichen Projekten?Engagierten Bürgerinnen und Bürger machen unsere Gesellschaft vielfältig und lebendig, sie sind der Motor für neue Initiativen, auch für neue Perspektiven, zum Beispiel in der Politik. Unser Bundesland bietet Jugendlichen und Erwachsenen viele Möglichkeiten, Unterstützung für ihr Engagement zu bekommen, z. B. durch die Kampagne „Hingucken und Einmischen!“, das Landesprogramm für Demokratie, Vielfalt und Weltoffenheit oder durch das Schulnetzwerk „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“. Hier kann man viele Formen der Unterstützung erhalten – nutzen Sie die Chance!

 

 

Zur Person:

Dr. Reiner Haseloff wurde 1954 in Bülzig nahe Lutherstadt Wittenberg geboren. Seit April 2011 ist der promovierte Physiker Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt. Bis 1990 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Umweltschutz in Wittenberg. Nach der friedlichen Revolution wurde er stellvertretender Landrat des Landkreises Wittenberg. Von 1992 bis 2002 leitete er das Arbeitsamt in der Lutherstadt, in der er bis heute lebt. Danach wurde der CDU-Politiker Staatssekretär im Wirtschaftsministerium und 2006 Wirtschaftsminister. Dr. Reiner Haseloff ist Mitglied des Landes- und des Bundesvorstands der CDU. Er ist verheiratet, hat zwei Kinder und vier Enkel.