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Literatur zum Thema Geschichtsaufarbeitung

Scheub, Ute: München 2006

Das falsche Leben. Eine Vatersuche.

Fünfunddreißig Jahre nach dem Selbstmord von Manfred Augst, der auf dem Evangelischen Kirchentag in Stuttgart 1969 vor zweitausend Menschen eine Flasche Zyankali an seine Lippen setzt, findet dessen Tochter, Ute Scheub, alte Aufzeichnungen und Abschiedsbriefe.
Anhand dieser Dokumente rekonstruiert sie das Leben ihres Vaters, der schon frühzeitig der NSDAP beitrat, Rassenlehre studierte und für die Nazi-Ideologie sein Leben und das Leben seiner Familie vergeudete. Auch nach Kriegsende konnte Manfred Augst nicht aus seiner Haut heraus. Er blieb unzugänglich kalt und ließ seine Tochter immer wieder spüren, dass er weibliche Wesen für minderwertig hielt.
Das falsche Leben ist der mitreißende Bericht eines familiären Dramas und zugleich die geschichtliche Aufarbeitung einer ganzen Generation schweigender Väter, die in der „neuen“ demokratischen Gesellschaft nach 1945 keinen Halt mehr finden konnte.

Kundrus, Birthe; Meyer, Beate: Göttingen 2004

Die Deportation der Juden aus Deutschland. Pläne - Praxis - Reaktionen 1938-1945

Der vorliegende Band liefert einen Einblick in die Forschungssituation zur Deportation der Juden aus dem "Altreich". Im Mittelpunkt stehen insbesondere die Opfer der Deportationen. So werden zum Beispiel die Handlungsmöglichkeiten jüdischer Funktionäre angesichts der Verschleppungen untersucht, die letzten Zeugnisse hessischer Deportationsopfer zusammengestellt, die letzten Monate der Betroffenen an den Zielorten in den Transitghettos des Distrikts Lublin analysiert, und die Versuche von Berliner Juden, sich der Verschleppung durch Flucht zu entziehen, dargestellt.Beeinträchtigt wird die Lektüre des sehr lesenswerten Bandes durch einige Flüchtigkeitsfehler. So stimmen weder die Datierung der Deportation auf dem Titelbild (7.12.1942, richtig ist der 24.3.1942) noch die Lokalisierung (Würzburg, richtig ist Kitzingen). Auch ein besonderes Foto aus dem Würzburger Gestapoalbum wird von den Autoren sinnentstellend interpretiert.

Hattenhauer, Hans: Geschichte und Bedeutung. München 2006

Deutsche Nationalsymbole. Geschichte und Bedeutung.

Der Rechtshistoriker Hans Hattenhauer gibt in dem hier vorliegenden Band einen umfassenden Einblick in die Geschichte unserer Zeichen und Riten. Diese reicht zurück bis zum Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation, zum Mittelalter und zur Antike. In ihrer Betrachtung als Abbild der verwickelten Geschichte des deutschen Nationalgedankens, zeigt Hattenhauer sehr anschaulich, dass die Nation in Deutschland nicht auf Dauer totgeschwiegen werden kann, dass aber auch kein Anlass zu ihrer Vergötterung besteht. Die Deutsche Nation und ihre Nationalsymbole sind vielmehr Menschenwerk, in großen Kämpfen und Kriegen gewachsen, immer gefährdet und kein Religionsersatz.
Neben der geschichtlichen Darstellung der deutschen Farben, Hymnen, Wappen, Feiern und Ehrungen; enthält der Band auch die Darstellung der Symbole der ehemaligen DDR, Österreichs und der Europäischen Union.

Himmler, Katrin: Frankfurt a.M. 2005

Die Brüder Himmler. Eine deutsche Familiengeschichte.

Den Anstoß zu diesem Buch gab Katrin Himmlers Vater, der sie bat, im Bundesarchiv in Berlin nach Akten über seinen Vater Ernst Himmler zu recherchieren.
Ernst Himmler starb in den letzten Tagen des Krieges unter nicht völlig geklärten Umständen.
In der Familie galten Ernst und der älteste Bruder Gebhard Himmler, im Gegensatz zum mittleren Bruder Heinrich, lange Zeit als unpolitische Mitläufer, die mit dem NS-Regime nicht viel zu tun gehabt hätten. Allerdings stellt sich während der Recherche recht schnell heraus, dass dieses Bild nicht der Wahrheit entspricht. Als frühe Anhänger der Partei profitierten beide nicht nur von der Stellung ihres Bruders Heinrich, sondern unterstützten durch ihre Tätigkeiten  im Reichserziehungsministerium und im Reichfunk aktiv das Regime.
Neben bekannten Quellen, verwertet die Autorin auch bisher unbekannte Briefe und Dokumente aus dem Nachlass der Familie. Sie schildert das Milieu, dem die Brüder entstammten, beschreibt das tatsächliche Beziehungsgeflecht nüchtern und distanziert und liefert einen umfassenden Einblick in ein bisher unbeleuchtetes Kapitel des Dritten Reichs.

Benz, Wolfgang: München 2000

Geschichte des Dritten Reiches.

Dieses Buch von Wolfgang Benz bietet eine komprimierte Darstellung des Dritten Reiches. Die wesentlichen Aspekte der Nazi-Herrschaft werden hier ausführlich und faktenreich erläutert. Neben dem überaus reichen Bildmaterial, finden sich auch kurze biographische Skizzen wichtiger Nazi-Größen, was sich in der Gesamtheit zu einer sehr anschaulichen und informativen Arbeit summiert.
Benz richtet sich vor allem an interessierte Jugendliche und Erwachsene, denen an einer detaillierten Gesamtdarstellung der NS-Zeit gelegen ist. Tiefere Vorkenntnisse sind für das allgemeine Verständnis nicht erforderlich. Dies bedeutet im Umkehrschluss aber auch, dass der Autor bereits gut informierten Lesern nicht allzu viel Neues bieten kann.
Dennoch kann die Geschichte des Dritten Reiches als ausgezeichnetes Nachschlagewerk betrachtet werden, dass mit sehr gut aufgearbeiteten Fakten und leicht verständlichem Sprachstil glänzt.

Senfft, Alexandra: Berlin 2007

Schweigen tut weh. Eine deutsche Familiengeschichte.

Die Legende vom „guten Nazi“ Hanns Ludin, einem hochrangigen Nationalsozialisten und Hitlers Gesandter in der Slowakei, wurde insbesondere durch die Ehefrau Ludins, Erla Ludin; geprägt und hielt sich in der Familie über lange Jahre hinweg.
Nach Kriegsende wurde gegen Ludin in 27 Anklagepunkten ermittelt, unter denen sich auch der Vorwurf fand, für die Deportation jüdischer Gefangener mitverantwortlich gewesen zu sein. Im Jahre 1947 wird Hanns Ludin in Bratislava durch ein Gericht rechtmäßig verurteilt und gehängt. Ihren Kindern erzählt die Witwe, dass der Vater gefallen sei. Einzig ihrer ältesten Tochter Erika, Alexandra Senffts Mutter, berichtet sie von der Hinrichtung des Vaters.
Nach dem Tode Erla Ludins schützen die Töchter das geschönte Bild des Vaters und erst einige Jahre nach dem tragischen Tod ihrer Mutter, begibt sich Alexandra Senfft auf die Suche nach Antworten auf bisher ungeklärte Fragen.
Die Autorin schildert in Schweigen tut weh eindrucksvoll das Leben ihrer Mutter, der es bis zu ihrem Tode nicht gelang, die Vergangenheit ihres Vaters für sich zu verarbeiten und letztlich an der Unfähigkeit, um ihn trauern zu können, zerbrach.
Das Buch thematisiert hiermit das typische Verschweigen und Verdrängen der deutschen Nachkriegsgeneration und verdeutlicht die nachhaltigen Gefahren solch vermeintlicher Schutzmechanismen.

Braun, Christina von: Berlin 2007

Stille Post. Eine andere Familiengeschichte.

Christina von Braun verarbeitet in ihrem Buch verschiedene Botschaften, die ihr vor allem durch die Frauen der Familie nach dem Muster des gleichnamigen Kinderspiels Stille Post übermittelt wurden. Diese Botschaften sind, wie die Autorin sagt, ungesagte Botschaften und unerledigte Dossiers des Lebens, die - innerhalb einer eher weiblichen Erinnerungskette - auf die nächste Generation tradiert werden.
Im Mittelpunkt des Buches stehen folglich die Frauen der Familie, insbesondere ihre Großmutter mütterlicherseits, Hildegard Margis, die aufgrund von Kontakten zum kommunistischen Widerstand 1944 von der Gestapo verhaftet wurde und im Gefängnis starb.
Neben Hildegard Margis, legt Christina von Braun den Fokus auf die Erlebnisse ihrer Mutter Hilde und ihrer Großmutter väterlicherseits, Emmy von Braun. Anhand von Tagebucheinträgen beider Frauen, montiert sie eine spannende und kontrastreiche Parallelgeschichte der Nachkriegsjahre.
Stille Post ist eine faszinierende Aufarbeitung der deutschen Geschichte in der ersten Hälfte des 20.Jahrhunderts.

Steinbach, Peter; Tuchel, Johannes (Hrsg.): Berlin 2004

Widerstand gegen die nationalsozialistische Diktatur 1933-1945.

Der vorliegende Sammelband spiegelt den derzeitigen Forschungsstand der deutschen Widerstandsforschung. Er basiert auf einer Bestandsaufnahme aus dem Jahre 1994, bietet aber substantiell neue Beiträge, da Peter Steinbach und Johannes Tuchel, die Leiter der Gedenkstätte Deutscher Widerstand (GWD), für diese Bearbeitung 27 weitere, hervorragende Experten und Expertinnen hinzugewonnen haben. Die bewährte pluralistische Grundeinstellung der GWD, den Widerstand in seiner ganzen Breite und Vielfalt, aber auch in seiner Widersprüchlichkeit zu zeigen, wird in den thematisch abgegrenzten, sechs Abschnitten besonders hervorgehoben. Die Gliederung folgt dem traditionellen Muster der verschiedenen politisch-weltanschaulich segmentierten Gruppierungen des Widerstandes; in einigen Bereichen werden aber auch neue Forschungsansätze sichtbar. Besonders hilfreich sind die kurzen Einführungen der Herausgeber, die den einzelnen Abschnitten vorangestellt sind.

Hattenhauer, Hans: Deutsche Nationalsymbole. Geschichte und Bedeutung.
München 2006

Wolfgang Neugebauer: Rezension zu: Steinbach, Peter; Tuchel, Johannes (Hrsg.): Widerstand gegen die nationalsozialistische Diktatur 1933-1945. Berlin 2004. In: H-Soz-u-Kult, 09.05.2005, http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/2005-2-093

Edith Raim: Rezension von: Birthe Kundrus / Beate Meyer (Hg.): Die Deportation der Juden aus Deutschland. Pläne - Praxis - Reaktionen 1938-1945, Göttingen: Wallstein 2004, in: sehepunkte 5 (2005), Nr. 2 [15.02.2005], URL: http://www.sehepunkte.historicum.net/2005/02/7071.html